Strafsteuern, Lastenausgleich, Vermögensabgabe – Was droht uns?
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Lieber Leser,
 

das böse Wort Lastenausgleich geistert derzeit immer hörbarer durch das Internet. Sehr zum Leidweisen all derjenigen die sich in den letzten Jahren oder Jahrzehnten ein Vermögen aufgebaut haben.


In Deutschland stagniert zwar die Eigentumsquote bei Immobilien nach wie vor bei 45% der Bevölkerung, doch beläuft sich der Wert der sogenannten „Wohnbauten“ auf über 5 Billionen Euro.


Das ist deutlich mehr als das deutsche Bruttoinlandsprodukt von 3,5 Billionen Euro und weckt damit Begehrlichkeiten auf Seiten von Politikern aus dem linken Spektrum. Addiert man zu den Wohnbauten noch die Grundstücke und Nicht-Wohnbauten, haben die deutschen Haushalte sogar mehr als 8 Billionen in Immobilien investiert. Gerade die Preissteigerungen der letzten Jahre wecken dabei Begehrlichkeiten die Immobilien-Besitzer zur Kasse zu bitten. Die nachfolgende Grafik verdeutlich die Wertzuwächse noch einmal:
 

Quelle: de.statista.com


Es geht also um sehr viel Geld welches, wie der Name schon sagt, immobil ist und sich demnach einer Besteuerung nicht entziehen kann. Leider ist die Zwangsabgabe auf Immobilien keine neue Erfindung, sondern in Deutschland geschichtlich bereits erfolgt.


Der Lastenausgleich von 1952!
 

Kurz nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1948 kam es zu einer Währungsreform bei dem Bargeld im Verhältnis 100:6,5 umgestellt wurde. Aus 100 Reichsmark wurden somit 6,5 D-Mark. Verbindlichkeiten wurden im Verhältnis 100:10 umgestellt, während Sachwerte wie Immobilien oder Aktien ihren Wert 1:1 behielten. Auch laufende Verbindlichkeiten wie Gehälter, Löhne oder Mieten blieben bei einer Umstellung von 1:1.


Dies führte zu einer enormen Ungerechtigkeit. Die wenigen Besitzer von Sachwerten hatten durch die Währungsreform ihr Vermögen massiv gesteigert, während der große Rest der ohnehin schon alles durch den Krieg verloren hatte vor dem Nichts stand. Selbst kleine Ersparnisse in Bargeld wurden durch die Reform weiter vernichtet.


Aus diesem Grund wurde 1952 das Lastenausgleichsgesetz (LAG) in Kraft gesetzt. Hier wurden Inhaber von Sachwerten zur Kasse gebeten. Auf Immobilien gab es eine Zwangshypothek in Höhe von 50% des Wertes von 1948. Diese Hypothek wurde anschließend über 30 Jahre abbezahlt.


Positiv für die Immobilien-Besitzer war jedoch, dass die Werte von 1948 sehr gering waren und die boomenden Jahre des deutschen Wirtschaftswunders dazu führten, dass die Belastung deutlich besser zu tragen war als es heute der Fall sein dürfte, dazu aber später mehr. Neben Immobilien wurden auch Besitzer von Aktien und Unternehmen zur Kasse gebeten. Es gab eine jährliche Vermögens-Abgabe von 1 Prozent. So viel zur historischen Einordnung des Lastenausgleichs.


Kommt der Lastenausgleich wieder?
 

Ich habe Dir obenstehend nicht ohne Grund die Übersicht von Statista mit den deutlichen Preissteigerungen bei Immobilien eingestellt. Auch heute gibt es hin und wieder Überlegungen in Richtung eines Lastenausgleichs. Viele Immobilien-Besitzer machen sich deswegen Sorgen, ob der Lastenausgleich wieder zurückkommen könnte. Dazu nur so viel vorab – einen Lastenausgleich hatten wir seit der Wiedervereinigung, man nannte ihn nur anders, nämlich „Soli“. Somit haben Lastenausgleiche in Deutschland schon immer eine Tradition und Befürworter gehabt.


Untenstehend habe ich Dir eine kurze Übersicht bereitgestellt mit potenziellen Maßnahmen eines Lastenausgleichs. Letztlich geht es immer nur darum, dass der Staat Wege finden muss, um sich der Schulden zu entledigen.


► Zwangshypothek auf Immobilien
► Einmalige Vermögensabgabe auf das Gesamt-Vermögen
► Jährliche Vermögenssteuer
► Steuererhöhungen
► Inflationierung und EZB


Was ist nun von diesen Formen zu halten? Dazu ein paar Gedanken:


Zwangshypothek: Dies ist der Klassiker schlechthin. Bereits 1952 erfolgreich erprobt und einfach umzusetzen. Immobilien-Besitzer können sich der Besteuerung im Gegensatz zu mobilen Aktien-Besitzern nicht entziehen. Was jedoch 1952 funktioniert hat wird heute verheerende Auswirkungen haben.


Zum einen werden internationale Investoren es tunlichst vermeiden in Deutschland zu investieren, wenn eine Zwangshypothek droht. Zum anderen würde die Bewertung der Immobilien-Preise nicht nach einem Krieg erfolgen, sondern nach 12 Jahren Preissteigerungen.


Ob Immobilien-Besitzer die Zwangsabgabe bei einem schwächelnden Markt dann noch schultern könnten, ist fraglich. Dies wäre nicht im Sinne des Erfinders (Staat) wenn er sich seiner Schulden zwar entledigt, gleichzeitig aber die gesamte Wirtschaft sowie der Konsum zusammenbrechen. Sollte es dennoch dazu kommen, muss man die Gesetzeslage genau prüfen, ob man die Last der Zwangshypothek durch Schulden drücken kann wie 1952.


Allerdings gab es dann auch die Hypotheken-Gewinnabgabe, die diesen Vorteil zu Nichte gemacht hat. Eine mögliche Lösung könnten Immobilien im Betriebsvermögen sein. Gleichzeitig verliert man dann jedoch die Steuerfreiheit des Immobilien-Verkaufs nach 10 Jahren, die nur für Privatpersonen gilt. Ein Patentrezept gibt es also nicht, solange wir nicht wissen was genau auf uns zukommt und welche Freibeträge dann gelten. Ich werde dieses Thema natürlich weiterhin für Dich begleiten!


Vermögensabgabe: Eine einmalige Vermögensabgabe im Bereich der 5 bis 25 Prozent wurde und wird von verschiedenen Institutionen bereits diskutiert (bspw. IWF). Momentan jedoch eher auf akademischer Ebene als mit dem Ziel der praktischen Umsetzung.


Die Deutschen haben insgesamt etwa 15 Billionen an Gesamtvermögen. Es könnte also nicht nur die Immobilien-Besitzer, sondern auch alle anderen Sparer und Anleger treffen. Natürlich muss es auch hier Freibeträge geben, worauf Politiker gerne verweisen.


Vermögenssteuer: Bei der Vermögenssteuer muss man einen bestimmten Prozentsatz, meist 1 bis 2 Prozent jährlich an den Fiskus abgeben. Diese Form ist besonders bei Politikern beliebt, da man hier gerne auf die Schweiz verweist. Allerdings geht es in Deutschland nicht um einen Wettbewerb alle weltweiten Steuern einzuführen, sondern um das Große und Ganze.


Wir sind bereits in einem Hoch-Steuerland in dem der Staat durch verschiedenste Abgaben das Einkommen der Bürger enorm mindert, weswegen uns Länder wie Italien bereits im Median-Vermögen überholt haben.


Besonders gravierend ist bei einer Vermögenssteuer, dass diese die Substanz auffrisst und auch gezahlt werden muss, wenn sich das Vermögen nicht steigert. Gerade Aktien-Anleger hätten dann eine Doppelbelastung durch die Abgeltungssteuer auf Gewinne, sowie einer immer anfallenden Vermögenssteuer.


Steuererhöhungen: Ebenfalls beliebt sind Steuererhöhungen oder was viele nicht auf dem Radar haben, verschleppte Steuersenkungen. Senkt der Staat die Steuer der Bürger nicht, obwohl er es könnte, kommt dies ebenfalls einer Steuererhöhung gleich.


Inflationierung und EZB: Die für den Bürger erst einmal „schmerzloseste“ Lösung wäre eine Inflationierung der Schulden durch die EZB. Durch die Ausweitung der Geldmenge und eine zukünftige Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht sich die Inflationsrate.


Mittels Inflation haben sich Staaten schon immer ihrer Schulden entledigt, am Ende steht dann eine galoppierende Inflation, im Extrem sogar die Hyperinflation. Absoluter Verlierer ist dann jeder, der keine Sachwerte hat, was in Deutschland aufgrund des hohen Bargeld-Bestandes leider sehr viele Bürger treffen würde. Ich gehe davon aus, dass wir uns in den nächsten Jahren an Inflationsraten im Bereich der 4 bis 5 Prozent gewöhnen müssen.


Eine Alternative wäre die Entsorgung der Schulden bei der EZB. Diese kauft ohnehin schon Staatspapiere im Akkord und könnte in Zukunft diese stunden oder annullieren, während private Gläubiger weiterbezahlt werden. Das Vertrauen des Finanz-Marktes würde nicht gefährdet werden solange man es nicht „übertreibt“.


Leider neigen Politiker gerne zu einer Übertreibung was die Schulden angeht und am Ende könnte nicht nur eine enorme Inflation stehen, sondern auch ein Vertrauensverlust in die Notenbanken und damit ein Zusammenbruch des Währungssystems.


Als Fazit lässt sich festhalten, dass das die Entschuldung über die Inflation bereits in vollem Gange ist. Sollte dies nicht reichen und der Staat braucht noch mehr Geld, mehr als er sich am Kapitalmarkt leihen kann, dürften Vermögenssteuern wieder auf die Agenda gesetzt werden. Auch eine Wieder-Einführung des Soli wird bereits diskutiert, was einem verdeckten Lastenausgleich ähnelt.

 


 


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Dein Sebastian

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